TCG-Boom bei Asmodee UK: Was das für Deutschland heißt

Offizielles Boxmotiv zu Star Wars: Unlimited, Niedergang der Republik, von Fantasy Flight Games
Star Wars: Unlimited ist die einzige der vier TCG-Marken aus dem Bericht, die Asmodee in Deutschland unter eigenem Namen vertreibt

Asmodees britische Vertriebssparte hat im Geschäftsjahr bis Ende März 2026 ihren operativen Gewinn auf 34 bis 35,1 Millionen Pfund mehr als verdoppelt, bei einem Umsatzplus von fast 60 Prozent auf 224 Millionen Pfund. Das geht aus dem aktuellen Jahresabschluss von Asmodee UK hervor, dem früheren Esdevium Games, das sich im Juli 2026 offiziell umbenannt hat. Haupttreiber sind laut Bericht vier Sammelkartenspiele im branchenweiten TCG-Boom: Pokémon, One Piece, Disney Lorcana und das hauseigene Star Wars: Unlimited. Brettspiele liefen im Weihnachtsgeschäft dagegen nur stetig, genannt werden Brick Like This und The Fellowship of the Ring: Trick-Taking Game.

Ein konzernweiter Trend

Die britischen Zahlen stehen nicht für sich. Ende Juli meldete der gesamte Asmodee-Konzern für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres, April bis Juni 2026, einen Nettoumsatz von 422,1 Millionen Euro, ein Plus von 20,9 Prozent, wie Würfelreich bei den Asmodee-Quartalszahlen bereits berichtete. Mehr als zwei Drittel davon entfielen auf Sammelkartenspiele.

Für das gesamte vorangegangene Geschäftsjahr macht das Segment inzwischen rund 60 Prozent von Asmodees 1,68 Milliarden Euro Jahresumsatz aus, gegenüber knapp über 50 Prozent im Zeitraum davor. Der eigentliche Wachstumstreiber des Konzerns ist damit längst nicht mehr das eigene Verlagsprogramm, sondern der Vertrieb fremder und eigener Kartenspielmarken.

Andere Vertriebsstruktur in Deutschland

Auf Deutschland lässt sich der britische Befund nicht unverändert übertragen, er reicht aber weiter, als die Markennamen vermuten lassen. Von den vier in London genannten Marken vertreibt Asmodee hierzulande unter eigenem Namen nur eine: Star Wars: Unlimited über Fantasy Flight Games. Pokémon vertreibt in Deutschland exklusiv der hessische Verlag AMIGO, nach eigener Angabe bereits seit 1999, und gehört laut Handelsregister der Carletto Management Holding, nicht Asmodee. Disney Lorcana erscheint bei Ravensburger, das die Spielrechte hält und seit 1883 im Familienbesitz der Maiers ist.

Bei One Piece liegt der Fall anders als vermutet. Bandais Distributorenliste für Europa nennt für Deutschland nicht Asmodee, sondern den Ratinger Anbieter Blackfire, der Vertrieb läuft also formal unter fremdem Namen. Blackfire gehört jedoch bereits seit Anfang 2019 zur Asmodee-Gruppe, aktuell bestätigt durch eine im März 2026 ins Handelsregister eingetragene Gewinnabführung an die Asmodee Holding GmbH. Deutschland zählt damit zu den Märkten, in denen Asmodee über eine eigenständig auftretende Tochter statt über die Hauptmarke agiert.

Wie groß das Gewicht von Sammelkarten am deutschen Markt insgesamt ist, zeigt eine gemeinsame Auswertung von Circana, dem Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) und dem Handelsverband Spielwaren (BVS): Pokémon kam von Januar bis Ende Oktober 2025 auf mehr als 84 Prozent Marktanteil in der Sammelkarten-Kategorie, AMIGO wuchs dadurch um mehr als 80 Prozent beziehungsweise 68 Millionen Euro.

Wie stark Asmodee an diesem Wachstum verdient, lässt sich aus den öffentlichen Zahlen nicht ablesen. Weder der Konzern noch die Essener Landesgesellschaft noch Blackfire veröffentlichen gesonderte Umsatzzahlen für das deutsche Kartenspielgeschäft. Anders als in Großbritannien, wo ein einziger Vertriebsarm mehrere große Kartenspielmarken unter dem Namen Asmodee bündelt, verteilt sich das Geschäft hierzulande auf mehrere Marken und Verlage, von denen zwei, Star Wars: Unlimited und über Blackfire auch One Piece, trotzdem zum Konzern gehören. Nur Pokémon bei AMIGO und Disney Lorcana bei Ravensburger bleiben tatsächlich unabhängig von Asmodee.

Quellen