CMON 2025: 19,9 Mio. Dollar Verlust und Crowdfunding-Comeback
CMON hat für das Geschäftsjahr 2025 einen Verlust von 19,9 Millionen US-Dollar gemeldet, mehr als das Sechsfache des Vorjahres. Zusammen mit dem Defizit aus 2024 summieren sich die kumulierten Verluste auf rund 23 Millionen Dollar – das 5,5-fache dessen, was der einstige Crowdfunding-Pionier in den neun Jahren davor insgesamt erwirtschaftet hatte. Der Jahresbericht skizziert zugleich die Strategie für 2026: Auslieferung offener Kampagnen, Fokus auf Asien und ein vorsichtiges Crowdfunding-Comeback in der zweiten Jahreshälfte.
Jahresbericht 2025: Umsatz bricht um 73 Prozent ein
Der Konzernumsatz fiel 2025 um 73 Prozent auf 9,9 Millionen US-Dollar, gegenüber 37,3 Millionen im Vorjahr. Besonders drastisch ist der Einbruch in den westlichen Märkten. In Nord- und Südamerika sank der Umsatz um 86 Prozent auf 2,1 Millionen Dollar, in Europa um 81 Prozent auf 2,4 Millionen. Asien verzeichnete mit einem Minus von 33 Prozent auf 5,3 Millionen Dollar einen vergleichsweise moderaten Rückgang.
CMON begründet die Verschiebung mit einer bewussten strategischen Neuausrichtung auf Asien und der anhaltenden Unsicherheit durch US-Importzölle, die 2025 zeitweise bis zu 145 Prozent auf Waren aus China erreichten. Der US-Anteil am Gesamtumsatz halbierte sich dadurch auf 21,4 Prozent, nachdem er 2024 noch bei 42 Prozent gelegen hatte.
Parallel trennte sich der Verlag von mehreren zentralen Marken, um Liquidität zu generieren. Zombicide, das seit dem Kickstarter-Start 2012 über 40 Millionen Dollar eingespielt hatte, wurde an Asmodee verkauft. Blood Rage, Rising Sun und Ankh gingen an Tycoon Games, im Oktober 2025 folgte Cthulhu: Death May Die ebenfalls an Asmodee. Die Verkäufe summierten sich auf rund 5,1 Millionen Dollar, brachten unterm Strich jedoch einen Veräußerungsverlust von 2,4 Millionen.
Auch personell wurde tief eingeschnitten: Die Belegschaft schrumpfte von 81 Mitarbeitenden zu Jahresbeginn 2025 auf 41 zum Start von 2026. Der unabhängige Wirtschaftsprüfer Zhonghui Anda hält im Jahresbericht eine „wesentliche Unsicherheit" fest, die erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit von CMON wecken könnte. Die Geschäftsführung hält dagegen und verweist auf Zusagen einzelner Direktoren, 2,4 Millionen Dollar aus dem Verkauf des Singapur-Büros im Januar 2026 sowie rund 1,25 Millionen Bruttoerlöse aus einer Aktienplatzierung im Februar 2026. Die Bankschulden wurden vollständig zurückgeführt, zum Jahresende 2025 lagen die Barreserven bei etwa 400.000 US-Dollar.
Ausblick 2026: Asien-Fokus und geplantes Crowdfunding-Comeback
Für 2026 steht bei CMON die Auslieferung bereits zugesagter Kampagnen im Zentrum. Acht Crowdfunding-Projekte und fünf Vorbestell-Aktionen sind laut Verlag noch offen. Dazu zählen DC Super Heroes United mit über 4,4 Millionen Dollar Finanzierungsvolumen, DCeased mit mehr als 2,5 Millionen sowie Dune Desert War und das Assassin's Creed Role Playing Game. Die aktuellen Schätzungen sehen die Auslieferung der beiden DC-Titel für das vierte Quartal 2026 vor, offene Verbindlichkeiten aus finanzierten, aber nicht ausgelieferten Projekten summieren sich auf rund 3,2 Millionen Dollar.
Frühestens im zweiten Halbjahr 2026 will CMON ins Crowdfunding zurückkehren, zunächst mit neuen Titeln aus etablierten Spielreihen. Als verbleibendes Zugpferd gilt die Massive-Darkness-Reihe, deren jüngster Teil Massive Darkness: Dungeons of Shadowreach Anfang 2025 auf Gamefound 2,85 Millionen Dollar einspielte und mit Late Pledges auf über 3,7 Millionen anwuchs. In der Zwischenzeit setzt der Verlag auf kleinere Retail-Titel wie Collect!, Peanuts Talent Show, Fairy Perfume, Rocket Punch und Yokai Carnival. Der asiatische Markt soll als primärer strategischer Schwerpunkt ausgebaut werden, der US-Fokus bleibt bis zur Stabilisierung der Handelsbedingungen reduziert.
2026 wird damit zum Prüfstein für einen der Mitbegründer des modernen Brettspiel-Crowdfundings. Gelingt die Auslieferung der offenen Kampagnen nicht termingerecht, dürfte eine neue erfolgreiche Finanzierungsrunde kaum realistisch sein. Mit Barreserven von rund 400.000 Dollar bleibt kaum Spielraum für weitere Rückschläge.