Queen Games setzt auf 3D-Druck gegen die Lieferketten-Krise

Wort-Ratespiel mit gelben Buchstabenkarten auf blauem Tisch bei der Queen-Games-Herbstneuheiten-Präsentation, im Hintergrund eine rote Queen-Games-Spielschachtel

Der Troisdorfer Verlag Queen Games hat bei seiner Herbstneuheiten-Präsentation am 19. und 20. September in Bonn angekündigt, Spielmaterial künftig teilweise in Eigenregie mit 3D-Druckern herzustellen. Das berichtet das Fachmagazin Reich der Spiele. Rund 40 geladene Gäste konnten die kommenden Titel bei der Präsentation in Bonn bereits probespielen. Verlagschef Rajive Gupta reagiert damit auf blockierte und teure Lieferwege aus Fernost, von wo ein Großteil der Branche ihr Spielmaterial bezieht.

Von der Maßnahme verspricht sich Queen Games vor allem eine verlässlichere Zeitplanung in der Produktion, unabhängig von Reederei-Kapazitäten und schwankenden Zöllen. Reich der Spiele wirft zudem die Frage auf, ob sich daraus künftig auch ungewöhnlicheres, individuelleres Spielmaterial ergeben könnte. Welche Komponenten konkret künftig gedruckt statt importiert werden und ab wann, nannte der Verlag bislang nicht.

Kostendruck trifft die ganze Branche

Queen Games ist nicht der erste Verlag, der wegen wirtschaftlichen Drucks umsteuert. Bereits im Frühjahr 2025 hielt Asmodee trotz Zoll-Unsicherheit an seinem Expansionskurs fest und wich unter anderem auf neue Fertigungsstandorte in Asien aus, ein Druck, der wie bei Queen Games direkt von unsicheren Fernost-Lieferketten ausgeht. Deutlich anders liegt der Fall beim Crowdfunding-Spezialisten CMON: Er kämpft laut eigenem Halbjahresbericht mit einem „anhaltenden strukturellen Abschwung“ und sucht seit September mehr als 17,5 Millionen US-Dollar von Investoren, nachdem er bereits seine Belegschaft halbiert, den Hauptsitz in Singapur geschlossen und mehrere Marken verkauft hatte. Anders als bei Queen Games und Asmodee nennt CMON selbst keine Lieferketten- oder Zollprobleme als Ursache.

Diversifizieren, schrumpfen oder selbst produzieren

Die drei Fälle zeigen unterschiedliche Antworten auf wirtschaftlichen Druck in der Branche, aber nicht immer auf dieselbe Ursache. Asmodee nutzt seine finanzielle Stärke, um Produktion geografisch zu streuen und Importe flexibel zu steuern, als direkte Reaktion auf Zoll- und Lieferkettenunsicherheit. CMON fehlt für einen vergleichbaren Umbau schlicht das Kapital, und der Verlag reagiert auf eine breitere strukturelle Krise mit Personalabbau, Markenverkäufen und der Suche nach frischem Geld. Queen Games wählt einen dritten Weg und reagiert wie Asmodee konkret auf Lieferketten-Druck aus Fernost: Statt Fertigung geografisch zu verlagern, will der Verlag Teile davon ganz ins eigene Haus zurückholen.

Ob sich 3D-Druck für einen Verlag der Größe von Queen Games wirtschaftlich trägt, wird sich erst zeigen, wenn die ersten so gefertigten Komponenten tatsächlich in Spielschachteln liegen. Als Signal an Fachhandel und Fans wenige Wochen vor der SPIEL '26 kommt die Ankündigung jedenfalls zur rechten Zeit.

Quellen

Read more