Roll & Dine Essen: Crowdfunding fürs Brettspielbistro
Das Essener Brettspielbistro Roll & Dine sammelt auf Startnext Startkapital: Gosia übernimmt allein. Ziel, Stand und Dankeschöns im Überblick.
In Essen, der Stadt der weltgrößten Brettspielmesse, sammelt ein kleines Brettspielbistro Geld, um seine Zukunft zu sichern. Auf der Plattform Startnext wirbt das Roll & Dine (in der Kampagne auch „Roll'n Dine“ geschrieben) seit Mitte Mai um Startkapital, damit Köchin Gosia den Laden allein weiterführen kann. Wir haben uns die Kampagne angesehen: worum es geht, wie weit sie ist und was du als Unterstützer bekommst.
Was das Roll & Dine ist
Das Roll & Dine an der Kämpenstraße 17 in Essen-Holsterhausen ist kein normales Restaurant, sondern ein Bistro, das wir zur Eröffnung schon einmal vorgestellt haben, in dem Essen und Brettspiele zusammengehören. Eröffnet wurde es Ende April 2024, gerade hat es seinen zweiten Geburtstag gefeiert. Die Idee ist einfach: Du zahlst einen kleinen Betrag pro Person und spielst, so lange du willst, aus einer Sammlung von rund 1.000 Brettspielen, die nach Spieleranzahl sortiert im Regal stehen. Laut Betreiberangaben kostet das fünf Euro pro Person, für Kinder unter 14 Jahren vier Euro. Dazu wird frisch gekocht, wöchentlich wechselnd und immer mit vegetarischer wie veganer Variante.
Familien sind dabei ausdrücklich mitgedacht: Neben dem ermäßigten Eintritt für Kinder unter 14 Jahren soll die Kinderecke laut Betreiberangaben weiter ausgebaut werden. Rund um die Spiele gibt es ein festes Eventprogramm: Brettwoch und Sunday Swingers als offene Spielrunden, Blood on the Clocktower mit Anfänger- und Fortgeschrittenenrunden, Pen-&-Paper-Abende, Krimidinner, Challenges und freitags die Runde „Mädels unter sich“. Regelmäßig kommen laut Kampagne namhafte Spieleautoren zum Prototypentest vorbei. Für die Essener Brettspielszene ist der Ort damit eine Art ganzjähriges Wohnzimmer.
Warum jetzt das Crowdfunding
Das Bistro gibt es seit zwei Jahren, die Kampagne ist neu. Der Grund: Das Roll & Dine steht an einem Wendepunkt. „Gosia übernimmt das Bistro nun selbst“, schreibt Initiatorin Claudia Kukuk auf der Kampagnenseite. Sie hat das Crowdfunding nicht für sich, sondern für Gosia gestartet, die das Roll & Dine von Anfang an als Köchin und als Organisatorin vieler Events geprägt hat. Für die Übernahme braucht Gosia Startkapital.
Konkret soll das Geld laut Kampagne in die laufenden Betriebskosten fließen, also Miete, Lebensmittel und Getränke, dazu in die Löhne des Teams, in einen Puffer für unerwartete Reparaturen (genannt werden Kaffee- und Spülmaschine) und in neue Brettspiele. Den Ton der Kampagne sollte man dabei ernst nehmen: „Ohne deine Unterstützung droht dieser Ort zu verschwinden“, heißt es dort. Es geht also nicht um eine Erweiterung, sondern darum, das Bistro über den Eigentümerwechsel hinaus abzusichern.
Zahlen, Stand und Finanzierungsmodell
Stand 21.06.2026 hat die Kampagne 2.990 Euro von 23 Unterstützerinnen und Unterstützern eingesammelt, sieben davon anonym. Als Fundingschwelle nennt Startnext 10.000 Euro; mit dieser Summe seien „Miete und Nebenkosten der nächsten Monate gesichert“. Die Fundingphase läuft noch bis zum 19. Juli 2026.
Anders als beim klassischen Alles-oder-Nichts-Prinzip fließt das Geld flexibel: Das gesammelte Funding geht laut Kampagne „nach Abzug der Startnext-Gebühren zu 100 % an Gosia“, auch wenn die 10.000-Euro-Marke bis zum Ende nicht erreicht wird. Darüber hinaus hat das Projekt vier Etappenziele gesetzt. Bei 10.000 Euro sind Miete und Nebenkosten gedeckt. Bei 15.000 Euro kann eine zusätzliche Servicekraft eingestellt werden, um die Öffnungszeiten zu halten. 20.000 Euro sollen zusätzlich Lieferantenrechnungen und neue Spiele finanzieren. Und ab 25.000 Euro bliebe Geld für Renovierungen und Reparaturen.
Die Dankeschöns
Die Gegenleistungen bleiben bewusst nah am Bistro: Laut Kampagne reichen die Dankeschöns vom Freigetränk bis zum Spieleabend zu zweit und werden alle direkt vor Ort bei Gosia eingelöst. Die Einstiegsstufe ist schon mit einem Freigetränk erreicht, sodass auch ein kleiner Beitrag eine passende Gegenleistung hat; die genaue Staffel mit den einzelnen Beträgen führt die Kampagnenseite auf. Wer unterstützt, bekommt seine Gegenleistung also an genau dem Ort zurück, den das Geld sichern soll, statt als anonymes Add-on per Post.
Was bleibt
Für Brettspielfans im Ruhrgebiet ist die Sache überschaubar: Wer schon einmal einen Abend im Roll & Dine verbracht hat, kann mit ein paar Euro dazu beitragen, dass es das Bistro auch nach dem Eigentümerwechsel noch gibt. Und für alle anderen ist es eine gute Erinnerung daran, dass Essen nicht nur einmal im Jahr zur Brettspielhauptstadt wird, wenn die SPIEL ihre Tore öffnet, sondern das ganze Jahr über kleine Orte hat, an denen gewürfelt, gegessen und gewonnen wird.